Unsere Träume – aus „Die verborgene Kraft“

Square

Der unterbewusste Geist ist das größte Vorratshaus des Lebens. Jeder Gedanke und jedes Gefühl, die uns jemals widerfahren sind, unsere sogenannten Instinkte, die im Laufe Tausender von Jahren geborene Weisheit menschlichen Kampfes und menschlicher Entwicklung, bilden Teile unseres unterbewussten Besitzes. Historisch gesehen birgt das Unterbewusste in sich alle Erfahrungen, Fähigkeiten, Möglichkeiten und Begabungen seit Anbeginn.

Die ältere abendländische Philosophie nannte die unterbewusste Seite des Geistes ≫eine blinde Kraft, nicht wissend, nur wirkend≪. Sie arbeitet unaufhörlich, aber in den meisten von uns entfaltet sie sich ohne intelligente, bewusste Lenkung. Wenn wir sie bewusst und aufbauend nutzen, können wir vieles zu unserer Selbstkontrolle beitragen und unserem Leben Selbstbewusstsein und klare Motivationen geben.

Wichtig für die innere Führung ist das vollständige Erinnerungsbild jedes Gedankens, jeder Handlung und emotionalen Stimmung, die wir jemals während unseres Lehens erfahren haben. Daher wurde das Unterbewusste auch der ≫schlaflose, alles aufnehmende Engel≪ unserer Person genannt. Unter geeigneten Bedingungen kann ein Mensch sich im Einzelnen an die Ereignisse seines Lehens rückwirkend bis zum Tage der Geburt erinnern. Es ist durch Experimente erwiesen, dass das Unterbewusste um vieles schneller und vollständiger aufnimmt und behält als das Bewusstsein.

Um das schöpferische Wirken des unterbewussten Geistes zureichend zu verstehen, müssen wir auch jene wichtigen Einsichten und Lösungen schwieriger Probleme betrachten, die die unterbewussten Gedanken in Träumen enthüllen. Im Stadium der Vollhypnose kann der Mensch sich jedes Ereignis seines vergangenen Lebens ins Gedächtnis zurückrufen. Der Zustand der Hypnose gleicht einer schlafähnlichen Verfassung, die auch eine Art Teilschlaf genannt wurde. Aber der normale Schlaf legt ebenfalls den Inhalt des unterhalb dieser Grenze liegenden geistigen Sektors frei.

Wenn man sich schlafen legt, stellt das Bewusstsein seine Tätigkeit ein. Das Unterbewusste übernimmt dann die Kontrolle. Während man schläft, spricht der unterbewusste Geist zu uns, dass nennen wir träumen.

Ein interessantes Beispiel für die warnende Funktion der unterbewussten Einsicht in Träumen enthält das Leben der Suffragetten Führerin Susan B. Anthony. Miss Anthonys engste Freundin, Elizabeth Cady Stanton, zeichnete es in ihrem Tagebuch auf:

Der Arzt schickte sie um ihrer Gesundheit willen von Philadelphia nach Atlantic City. Während sie sich dort aufhielt, hatte sie nachts einen sehr nachhaltigen Traum. Sie sollte bei lebendigem Leibe in einem der Hotels verbrannt werden. Und als sie sich morgens erhob, erzählte sie ihrer Nichte, was sie geträumt hatte.

≫Wir müssen sofort packen und nach Philadelphia zurückfahren≪, sagte sie. Das wurde getan, und am nächsten Tage wurden das Hotel, in dem sie sich aufgehalten hatten, ferner zehn andere Hotels und viele Meilen der Küstenstrasse durch Feuer zerstört.

 

Geträumte Lösungen, von Problemen

Während der bewusste Teil des Geistes begrenzt ist, hebt das Unterbewusste die Begrenzung durch Zeit und Raum auf. Im Traum scheint der unterbewusste Geist zu Tatsachen und Informationen Zugang zu haben, die mit dem universalen, alles Lebendige umfassenden Geist verbunden sind. Fast alle schöpferischen Schriftsteller und Forscher bestätigen Erlebnisse dieser Art.

Grenzen des schöpferischen Träumens

Die Techniken zur bewussten Lenkung der Aktivität des unterbewussten Geistes werden in den folgenden Kapiteln beschrieben. Dort wird auch untersucht, welche Zeit für die Ausübung der Suggestion am günstigsten ist. Das im vorliegenden Kapitel dargebotene Material wirft eine Reihe interessanter Fragen auf.

Zusammenfassend müssen wir feststellen, dass wohl nur wenig Aussicht besteht, unterbewusste Einsicht durch ein bewusstes Fragen danach im Traum zu gewinnen. Es steht nicht fest, ob die Predigten, die Dr. Beecher jeden Morgen in seinem Bewusstsein vorfand, als Traum zu ihm kamen. Es ist auch möglich, dass sein Denken über einen bestimmten Gegenstand vor dem Schlafengehen im Unterbewussten weiterverarbeitet und seine Lösung beim Erwachen dem bewussten Geist enthüllt wurde.

Dieselbe Frage erhebt sich bei anderen Beispielen, so bei Stevensons Nutzung des Unterbewussten während der literarischen Arbeit. Wahrscheinlich kommen die unterbewussten Einsichten in Träumen unaufgefordert oder bei besonderem Notstand. Sie scheinen eine Bemühung des Unterbewussten zu sein, bei der Lösung eines Problems zu helfen. In den meisten Fällen scheint sich die unterbewusste Einsicht in Träumen einzustellen, wenn der Mensch sich durch alle möglichen Anstrengungen des Bewusstseins bis zur vollständigen Ermattung erschöpft hat. Die in Träumen ausgedrückte unterbewusste Aktivität bestätigt das unaufhörliche schöpferische Wirken der anderen, verborgenen Seite unseres Geistes.

 

aus „Die verborgene Kraft – Das Unterbewusstsein – Schlüssel zum Erfolg“ von JK Williams

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.