Vertrauen – ein Instrument zum Überleben?

Marie Gräff von Schwellentroll.de hat zur Blogparade Vertrauen aufgerufen, und ich nehme gerne daran Teil. Als hätte sie es geahnt, dass da im Moment einiges in mir brodelt. Daher bin ich sehr dankbar, mich diesem Thema widmen zu dürfen.

Panik verließ den Zuschauerraum, eilte ins mentale Fitnesscenter, schwang ich dort auf ein Rad und trat in die Adrenalinpedale. Der Überlebensinstinkt leistete ihr Gesellschaft.

Seit zwei Tagen ist mein Urvertrauen in das, was ich eigentlich glaube und denke, ziemlich erschüttert.

Es geschah mitten in der Nacht – kurz vorm Einschlafen, als mich die kalte Klaue der Panik im Nacken packte. „Werd mal wach, du Träumer!

Inzwischen sind neun Monate um, und ich habe ganz tolle Ideen, die mich innerlich begeistern, deren Erfolg ich wahrhaftig spüren kann, aber ich brüte und brüte auf ihnen herum und lasse ihnen keine Gelegenheit, auch mal zu schlüpfen. Mir fehlt das Vertrauen in den nächsten Schritt.

Für mich geht es um viel mehr als um Glaube, Optimismus, Zutrauen, Zuversicht[lichkeit], wenn ich an Vertrauen denke – Es geht auch um Ver-Trauen = Sich etwas Trauen = den MUT haben. Mut zur Veränderung. Mut, den nächsten Schritt zu gehen.

Man darf keine Kraft mit Panik verschwenden, solange man sie benutzen kann, um so schnell wie möglich wegzulaufen.

Es ist so, wie bei dem Gedanken daran, den Briefkasten und den enthaltenen Inhalt zu öffnen – derzeit fehlt mir der Mut. Es ist nahezu lähmend. Also wende ich lieber die Vogel Strauss Technik an. Nichts sehen, nichts hören, und so gut verstecken, dass ich nicht gefunden werde.

Mir wurde mal gesagt: „Was dir fehlt, ist Geduld und Vertrauen, besonders Letzteres, und Angst, wovor auch immer, ist der schlechteste aller Ratgeber, außer wenn ein Raubtier vor dir steht und dich fressen will. Oder wenn dein Haus brennt. In allen anderen Fällen kannst du kaum einen schlechteren Rat finden als den, den Angst dir gibt.“

Also führe ich mal wieder einen inneren Dialog mit mir, um heraus zu finden, wie es denn um mein Selbst-Vertrauen steht. Es ist ein seltsames Gespräch, denn ich bin ehrlich gesagt überzeugt von mir als Person, und meine Visionen und Ideen begeistern mich nach wie vor. Auf den ersten Blick sollte da kein Mangel an Vertrauen herrschen.

In meiner Energie als Dinosaurier war ich bestimmt ein kleiner Pflanzenfresser, der immer auf der Flucht von den großen Fleischfressern war. Die sich, wenn sie mich schon nicht verspeisen konnten, über meine Eier, oder den frisch geschlüpften Nachwuchs, hergemacht haben.

Ich habe kein Vertrauen in die Menschen, den T-Rexen der heutigen Zeit. Ich habe kein Vertrauen in die Welt da draußen. Das ist es, und warum das so ist, weiss ich nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das jemals anders war. Ich verstecke mich – Ich laufe weg. Ich bin ein Einzelgänger – und wiederum, wenn ich mich einmal eingelebt habe, bin ich sehr gesellig. Ich kann sogar sagen, dass meine Gesellschaft als sehr angenehm empfunden wird, und ich bin gerne gesehen. Aber alleine irgendwo hin zu gehen, auf mir fremde Menschen zu zu gehen, ist für mich ein echter Graus.

Was soll ich jetzt machen? Eine Rückführung und dort einem T-Rex vors Schienbein treten? Meine Eier verteidigen, und ihn, wie David damals Goliath, mit einer Steinschleuder zwischen die Augen treffen und ihn so zu Fall bringen? Ich könnte auch versuchen, ihn von der veganen Lebensweise zu überzeugen. Das wäre mal richtiges Urvertrauen, solch eine Aktion unbeschadet zu überstehen.

Verzweiflung keimte in ihm auf, trug Früchte der Panik

Der Punkt, der fast schon wahnsinnig macht. Mir sind diese Situationen und Gefühle, dieses Misstrauen in das System GDA nicht unbekannt. Ich kenne das, und jedes mal ging es doch weiter. Ich kann den Punkt allerdings nicht ausmachen, wo die Stimmung wieder kippt, und eine neue Runde eingeleitet wird, und ich ins Trudeln gerate. Habe ich eine Dauerkarte für dieses Gedankenkarussell gebucht? Es ist natürlich schön, aus der Erfahrung schöpfen zu können, dass es wieder auswärts geht, aber ich möchte mal aussteigen. Dieses ewige “sich im Kreis drehen” nervt einfach. Mich reizt die Wildwasserbahn viel mehr. Vielleicht geht es dort etwas turbulent zu, aber es bedeutet jede Menge Aktion, und was das Wichtigste ist – es geht immer stromabwärts.

Was ist denn mit meinem Vertrauen in mich und meine Visionen? Ist es doch nicht so groß, wie ich immer dachte? Ich bringe mich selbst zur Verzweiflung. Wie kann es denn sein, dass ich immer wieder alles in Frage stelle.

Vertrauen in mich selbst aufbauen und den Mut finden, es durchzuziehen? Mir immer wieder und wieder vorzubeten, dass ich es kann, wie eingeredet ist dieses Vertrauen dann, wenn im Hinterkopf noch zusätzlich der Gedanke „mir rennt die Zeit davon“ vorhanden ist.

Bewusst davon sprechen, an sich zu glauben, ist möglich. Ich würde sogar sagen, dass man wirklich bewusst ein Gefühl aktivieren kann, das Vertrauen suggeriert. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass das Unterbewusstsein das für wahr anerkennt.

Eine Idee formte sich in ihm, aber sie weigerte sich noch, klare Konturen zu gewinnen. Erinnerungsfetzen flogen an seinem inneren Auge vorbei. Er versuchte, sich nicht zu sehr auf sie zu konzentrieren. Die Ideenfragmente brauchten Zeit, um sich zusammenzufügen; zuviel Aufmerksamkeit verscheuchte sie.

Ich glaube an meine Ideen. Sie füllen mich mit Inspiration – sie begeistern mich. Aber ich glaube auch an T-Rexe. Ich mag meine Ideen nicht in die weite Welt entlassen, wenn die Gefahr besteht, dass sie gefressen werden. Dafür habe ich sie viel zu lieb. Sie sind so kostbar. Und der T-Rex wittert meine Angst – was bedeutet, ich werde ihn anlocken. Um es klar auszudrücken – grundlegend erwarte ich negative Menschen, die mich im schlimmsten Fall fressen. Und sie werden kommen, so will es das Gesetz der Anziehung.

Wenn ich „scheitere“ und gefressen werde, hat das verheerende Gedankenfolgerungen:

Ich habe mich in meinen Gefühlen und Visionen getäuscht, denn ich habe einen anderen Ausgang vorher gesehen → Dann übertrage ich diese Erfahrung auf alle meine Visionen → Das negative Gefühl in mir wächst, dass meine Gedanken und Visionen nur ein ein Trugschluss waren → Kann ich als Konsequenz daraus meinen Gedanken und Visionen nicht vertrauen → Ich kann mir nicht vertrauen → ich bin mit meinem Leben ganz schön in den Allerwertesten gepiekt → Panik – Ich habe mir das alles nur eingebildet und schön geredet. → Ich habe ein richtig großes Problem, denn mein Überleben steht da auf dem Spiel.

Es ist ein gruseliger Kreislauf der Gedanken und mir fehlt die Idee, ihn zu durchbrechen.  

Inspirationen sind fundamentale Partikel im Universum der Scheibenwelt. Sie geben dem Gehirn Ideen ein.

Etwas tun und darauf zu vertrauen, dass es es gut wird, fühlt sich unter den negativen vorherrschenden Gedanken einfach töricht an. Also lieber weiter brüten und mich an den Visionen erfreuen. In meinen Gedanken herrscht T-Rex freie Zone.

Ob ich erst an den Punkt kommen muss, wo ich keine andere Wahl mehr habe, als endlich aktiv zu werden? Wenn ich auf Vertrauen und Mut keine Rücksicht mehr nehmen kann und ich einfach handeln muss? Es soll ja Menschen geben, die in dem Momenten größter Verzweiflung mit einem Mal zu Allem fähig waren. Wenn ich dazu gehöre, ist das schon ein Lichtblick – sollte es aber entspannter geht, dann nehme ich auch gerne den Weg.

Ich versuche jetzt mal, das Karussell abzustellen und ein Ticket für die Wildwasserbahn zu lösen.

 

Epilog

Es ist 4 Uhr in der Nacht: Als hätte ich derzeit nicht andere Dinge, über die ich mir Gedanken machen sollte, stelle ich mir schon den ganzen Abend ernsthaft die Frage, ob in mir tatsächlich ein Dino schlummert? Wenn wir uns in einem menschlichen Körper inkarnieren, dann muss das doch auch für die Dinos gelten. Und wenn alle Realitäten gleichzeitig existieren, dann existiert wohl gerade in dem Moment in meinem Zimmer auch ein Dino. Vielleicht träume ich deshalb manchmal von Dinosauriern, weil sich die Realitäten dann gerade überschneiden. Und in Wirklichkeit ist alles echt und mein Unterbewusstsein redet mir nur ein zu träumen, damit ich nicht wahnsinnig werde. Und wenn sich die Realitäten wieder trennen, dann glaube ich aufzuwachen. Und ich kann sagen, ich war jedes Mal echt erleichtert aufzuwachen, denn es fühlte sich erschreckend echt an. Ich hoffe, ich werde nie wieder von Dinosauriern träumen – oder endlich zu den Fleischfressern gehören! Bisher musste ich immer flüchten und mich verstecken. Vielleicht sind uns manche Menschen daher nicht geheuer, da wir den T-Rex in ihnen wittern?

Es ist 4 Uhr in der Nacht: Ich sollte schlafen gehen. Entweder setzt mein Verstand gerade aus, oder er funktioniert in diesem Moment viel zu gut, und ich komme der Realität definitiv zu nahe.

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2 Kommentare:

  1. Hallo Tina,
    also ich denk auch, entweder traut man sich erst, wenn man in der Ecke steht und nicht anders kann – was aber nicht so gut ist, da man möglicherweise dann einfach ab- oder zuhaut, als taktisch klug vorzugehen.
    Oder man handelt aus seiner inneren Begeisterung heraus, weil man weiß, dass man einfach nicht anders kann. Egal, was die anderen sagen. Das wäre natürlich der Idealfall. An dem ich auch immer noch übe.
    Aber wenn alle Möglichkeiten gleichzeitig existieren, dann bräuchte man ja nur das Programm umschalten und nicht ständig den Turnbeutelvergesser-Sender hören, sondern den Klippenspringer-Sender. Ich such mal nach der Bedienungsanleitung …
    LG
    Sybille

    • Liebe Sybille,

      Ja die innere Begeisterung ist der Idealzustand. Da gebe ich dir vollkommen recht. Ich übe auch weiterhin und wünsche uns beiden sehr viel Glück.

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