DerDieDas Universum gibt es nicht!

Ich habe bisher immer mit dem Universum geredet und es direkt angesprochen. Ich sage immer „das Universum“, und weil ich ich bin und mit einer regen Fantasie gesegnet wurde, habe ich immer noch versucht, das Universum als etwas greifbares, körperliches zu sehen. Als einen Ansprechpartner. Ich weiss gar nicht so recht, WIE ich es mir vorstelle. Irgendwie als so ein Lila Ding aus Materie.

Universum: eine glitzernde Kugel voller Galaxien, wie Schmuck an einem unvorstellbaren Weihnachtsbaum.

Auch malte ich mir ein Bild von der Wesenheit Abraham und Seth aus. War es bei Seth eine einzelne, in einem Sessel sitzende und Pfeife rauchende Person, so habe ich mir Abraham, inspiriert durch Terry Pratchetts Fantasiewelt, immer als Gruppe von Revisoren vorgestellt. (Laut Pratchett sind sie „die ewigen Beobachter von Raum und Zeit. Wenn sie erscheinen, erscheinen sie als Rauchwolken gekleidet in graue Roben. Die Revisoren der Realität sehen sich als Ganzes und verabscheuen die Individualität. Daher sprechen sie von sich immer nur im Plural”)

Und es kam wie es kommen musste. Durch diese Personifizierung begann ich auch diese Gruppe, die ich in meinem Kopf erschaffen hatte, anzusprechen. Nicht, dass es in dem Sinne falsch ist, natürlich ist es nicht schlimm, sich solche Figuren vorzustellen, aber es ist nicht so gut, wenn man beginnt, sie um Hilfe zu bitten.

Ich lagere die Verantwortung immer noch aus. Ich beschreibe ein Problem und bitte um Hilfe. Was grundsätzlich nicht falsch ist – nur gibt es da nichts Übermächtiges, das hoch über mir schwebt und die Lösung auf Zuruf runter schickt. Die Kraft zur Veränderung liegt in mir, und ich muss diese Kraft aktivieren. Ich muss erkennen, dass die Wesenheit Abraham gar nichts für mich tun kann, bzw. das auch gar nicht will. Es ist nicht ihre Aufgabe. Sie sind nicht dazu da, meine Aufgaben zu erledigen und meine Realität zu erschaffen und meine Wünsche zu erfüllen. So paradox es klingen mag, bei mir lösen gerade Abraham das Gefühl aus, dass sie, wenn sie das alles so erzählen, auch ruhig mal etwas bewirken können, oder zumindest auch mir mal antworten, wenn ich keine Idee vom „wie zu erschaffen“ habe. Es ist dieses „Jetzt sagt mir doch mal, was genau ich machen soll in diesem konkreten Fall. Ich mache wirklich alles was ihr sagt, aber BITTE, BITTE sagt endlich was!

Er ahnte das die Antworten bereits existierten. Sie warteten nur noch darauf das er die richtigen Fragen stellte.

Ich werde meisten nur angeschwiegen. Ich habe die richtigen Fragen noch nicht gestellt, und um dem draus resultierenden Frustrationsmoment zu entfliehen, ist es einfacher, die Verantwortung abzugeben und zu sagen „Damit hab ich ja gar nichts zu tun. Ich kann das nicht, macht ihr das!“

Bitte helft mir – ich brauche Hilfe – Universum kannst du mir helfen – Universum ich will nicht mehr. Das sind so meine Standardsätze, die mich auf der Stelle treten lassen. Und mit keinem suche ich die Lösung in mir.

Unser Universum ist wie ein baufälliges Haus, dessen Ziegel aus Atomen bestehen, zusammengehalten vom Mörtel des kausalen Zusammenhangs zwischen Ursache und Wirkung.

Wir schreiben Briefe ans Universum, geben Bestellungen und Wünsche ab. Und genau das sagt nur aus, dass wir eigentlich gar nichts erreichen können. Wir sagen, ja ich glaube an die höhere Macht, die letztendlich doch das letzte Wort hat. Die die Entscheidung trifft, ob wir auch artig genug waren, um den Wunsch erfüllt zu bekommen?

Mein Dank geht hier ganz klar an den Nikolaus, Knecht Ruprecht und das Christkind, die Geschenke nur dann liefern, wenn man auch lieb war. Auch wenn ich irgendwann erfahren habe, dass es sie nicht gibt, da wir die größte Prägung in den ersten Jahren unserer Kindheit erfahren – hat sich diese Denkweise, Geschenk = warst du auch immer brav, irgendwo im Unterbewusstsein verankert. Und so haben wir schon früh gelernt: Ob du was bekommst, entscheidest nicht du, sondern der Mann mit dem goldenen Buch. Wenn in dem Buch steht, dass du lieb genug warst, gibt es was Schönes. Wenn da nichts steht, oder noch schlimmer: wenn dein Verhalten nicht akzeptabel war, dann bekommst du die Rute zu spüren. Und um es ganz auf die Spitze zu treiben; nachdem uns die Illusion von Christkind und Co genommen würde, übernahmen die Eltern die Rolle, und sie hatten damit die Macht, über die Erfüllung unsere Wünsche zu entscheiden. Sie wurden zu unserer höheren Macht, deren Willen es oblag, ob es Barbie oder nur Petra gab. Wir Kinder konnten nur hoffen, dass unser “lieb sein“ ausgereicht hatte.

Ganz allgemein kann man zusammenfassend sagen: In unserer Kindheit und Jugend bekommen wir eindrücklich eingetrichtert, dass wir uns Dinge wünschen können und dürfen, aber die Entscheindung, ob es sich erfüllt, liegt nicht in unserer Hand. Und das schärft unseren Glauben daran, dass uns nicht alle Wünsche erfüllt werden. Wir Kinder haben keine Kontrolle darüber

Und nun, mit einem Mal, sollen wir daran glauben, dass sich wirklich alles erfüllen kann. Das steht im Widerspruch zu den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Das Pony, das ich mir von Herzen gewünscht habe, habe ich damals nicht bekommen, auch wenn ich meine, bei der Überzeugungsarbeit gegenüber meinen Eltern alles gegeben zu haben. Natürlich habe ich als Kind die Entscheidung immer von meinen Eltern abhängig gemacht. Ich wusste nicht, dass ich es hätte bekommen können, wenn ich nur ganz fest daran geglaubt und meine Eltern aus der Gleichung ausgeklammert hätte.

Und so blicke ich zurück auf eine Kindheit, in der versucht wurde, mir viele Wünsche zu erfüllen, aber es gibt auch unerfüllte Wünsche. Wobei – das Pony habe ich inzwischen bekommen. Mit 30 Jahren Verspätung. Lieber spät als nie? Naja, jedes Mal 30 Jahre warten? Das sollte in Zukunft schon was schneller gehen.

Ja, mir fällt es schwer, loszulassen und die höhere Macht nicht mehr als etwas zu sehen, das immer noch darüber entscheiden kann, ob ich es nun bekomme oder nicht. Natürlich gibt es das Universum – aber es ist nicht etwas das über mir steht – Ich bin ein Teil davon.

Und so kommen wir zum eigentlichen Knackpunkt – Die Vorstellung „puh, ich soll das selbst machen? Ich soll erschaffen? Ich soll Universum spielen? Eine große Aufgabe für so einen kleinen Menschen wie mich.“ Ganz ehrlich, irgendwie lässt das den Wunsch aufkeimen, zu hyperventilieren. Ich fühle mich vollkommen überfordert. Ich soll das alles bewirken? Mir obligt die volle Verantwortung, ob es klappt oder nicht. Wenn ja – super. Wenn nicht – selbst schuld. Ich meine: Ich habe 30 Jahre für ein Pony gebraucht………..

Leute sind zu allem fähig, wenn ihnen keine andere Wahl bleibt.

Habe ich eine Wahl? Wenn ich das Leben führen möchte, das ich mir erträume, wenn ich den Erfolg, Wohlstand etc. noch erfahren möchte, dann muss ich mir einfach zutrauen, dass ich es schaffen kann. Ich muss mein eigener Revisor werden, und ihn ganz klar als einen Teil von mir akzeptieren.

Was mich am meisten verwirrt ist, dass ich um die Wirkungsweise weiss. Ich kann bei anderen Menschen immer klar sehen, wie sie sich ihre Realität erschaffen. Schaffe es, die Zusammenhänge zu sehen und kann sogar hilfreiche logische Ratschläge erteilen. Aber geht es um mich, dann wende ich es nicht an, sondern bettle um Hilfe. Was bringt mir Wissen, wenn ich die Kraft in mir nicht finde bzw. sie nur zufällig aktiviere. Mich dann freue wie ein Schneekönig, dann aber nicht darauf aufbaue und diesen gerade erfahrenen Input dazu nutze, um weiter darauf aufzubauen und einfach weiter zu machen.

Trotz meiner regen Fantasie kann ich mir kein inneres Selbst vorstellen, bzw. ich habe es noch nie versucht, ihm eine Gestalt zu geben. Vielleicht ist das der Punkt. Nicht im Außen suchen, sondern im Inneren finden. Die Kraft ist in mir und auch um mich herum. Ich muss mich ihrer nur bedienen. Sie ist allzeit gegenwärtig, versiegt niemals und wartet nur darauf, dass ich sie aktiviere.

 

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4 Kommentare:

  1. Hallo Tina,
    einen ähnlichen Gedankengang hatte ich letztens angeregt durch einen Artikel, in dem es um Engel und unsere Helfer ging.
    Wir bitten ANDERE um Hilfe, und stellen uns damit eine Stufe niedriger. Wir machen uns abhängig von höheren Wesen (was, wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, dazu führen kann, von höheren Mächten versklavt zu werden).
    Was wir kapieren müssen ist, dass wir uns selbst helfen können. Wir sind ja nicht nur der Körper, der hier so mehr oder weniger schlaff in der Ecke herumhängt, sondern in anderen Ebenen ja auch schon durchaus weiter entwickelt. Insofern können wir uns selbst helfen, indem wir uns auf die Teile von uns, die es schon kapiert haben, besinnen und diese ins Hier integrieren.
    So, und jetzt kapier das mal, mit dieser kulturellen Prägung.
    Aber wir bleiben am Ball, gell?
    LG
    Sybille

    • Das bleiben wir auf jeden Fall. Wenn wir einmal diesen Weg bewusst beschritten haben, gibt es kein zurück mehr. Ich für meinen teil kann mir nicht vorstellen, wieder in die alten Gedanken zurück zu gehen. Es würde sich immer anfühlen als würde ich mich selbst belügen.
      Es geht immer weiter, und bleibt spannend.
      LG

  2. Das Universum liegt in uns! Eine wundervolle Erfahrungsgeschichte!
    Liebe Grüsse
    Stefanie

    • Liebe Stefanie,
      danke für deinen Kommentar. Ich stimme dir da vollkommen zu. Die Kraft derer wir, uns einfach nur bedienen müssen, liegt in uns.

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