Ich bin der Sucher eines Weges

Ich bin ein Sucher eines Weges zu allem, was mehr ist als Stoffwechsel, Blutkreislauf, Nahrungsaufnahme, Zellverfall.
Ich bin Sucher eines Weges, der breiter ist als ich. Nicht zu schmal, kein ein Mann-Weg. Aber auch keine staubige, tausendmal überlaufene Bahn.
Ich bin Sucher eines Weges. Sucher eines Weges für mehr als mich.“ (Günter Kunert)

Während ich letztens über einem meiner Artikel brütete und mir nebenbei noch Gedanken über meine Zukunft machte, fuhr ein Rettungswagen mit Blaulicht auf den Hof. Als ich dann sah, dass sie einen jungen Mann auf der Trage aus dem Haus trugen, kam mir nur der Gedanke „Das kann es doch nicht sein!“

Ich kenne den Mann. Gerade einmal 40 Jahre jung, immer fleissig, immer auf den Beinen, immer am Limit, damit das Überleben gesichert ist. Bis der Geist dann irgendwann die Reissleine zieht und ein körperlicher Zusammenbruch der letzte Ausweg zu sein scheint.

Und da wurde mir noch bewusster denn je: „Ich will hier raus! Ich möchte raus aus dem System. Ich will mein Leben leben, so wie ich es mir wünsche. So, wie es für mich angemessen und richtig ist“

Mir war aber auch bewusst – Ich steckte fest, denn ich hatte noch dieses „Hilfe, was soll ich denn jetzt tun“ im Kopf. Ich wünschte mir so sehr ein positives Zeichen, dass es funktioniert. Diese Bestätigung „Ja du darfst glücklich sein!“

Mir kam ein Satz in den Sinn, den ich in einer Gruppe gelesen hatte….

Wenn ich mir die Gruppen so anschaue, dann ist da noch so gut wie keiner „ins Glück geführt“ worden, die suchen fast alle noch.

Als ich das damals gelesen hatte, dachte ich mir nur: „Ey! Das ist jetzt aber nicht nett. Das kann man so doch auch nicht sagen!“ Und im gleichen Moment wusste ich: „Doch genau so ist es“. Austausch ist wertvoll, aber kann man die paar Menschen, die tatsächlich Erfolg haben, als Stellvertreter einer ganzen Gruppe sehen? Noch dazu kennt man solche Menschen dann meist nur vom Hörensagen. Selten verirrt sich einer ins persönliche Umfeld. Das Umfeld glaubt meist eh nur an harte Arbeit und Ungerechtigkeit.

Selbst in Zeiten von Facebook und Co. findet man die lebenden Beispiele doch recht selten. Vieles ist von Hilfslosigkeit dominiert – Von den ewig Suchenden.

Hilflos wie eine Fliege in einem Bernsteintropfen, das Schicksal ebenso in der Hand wie eine Seifenblase das ihre während eines Orkans.

Wenn ich mich mit Menschen umgebe, die auf der Suche sind – die immer wieder davon reden, was sie alles probieren um anzukommen. Die gleichzeitig davon berichten, dass sie scheinbar auf der Stelle treten, und der Erfolg einfach nicht eintreffen will.

Macht das Sinn? Davon zu lesen, dass sie genau so planlos durch die Gegend laufen, und so nur bekräftigen, dass es alles andere als leicht zu sein scheint. Und unweigerlich beginnt man, sich mit ihnen zu identifizieren und sagt: „Ja, so ergeht es mir auch. Immer noch keinen Erfolg gehabt!“ Vielleicht wird man so, trotz aller Bemühungen und Übungen, über den Status eines Suchers niemals hinaus kommen?

Um Umkehrschluss bedeutet das: Wenn du dich mit Menschen umgibst, die Erfolg haben, die ihren Erfolg teilen, und mit denen du dich gemeinsam über ihren Erfolg freuen kannst, dann kannst du auch Erfolg haben.

Unsere positiven Erfolge sind so kostbar und vermeintlich selten, dass wir sie hüten wie einen Schatz. Wir verstecken sie, aus Angst, man könnte sie uns wieder weg nehmen. Aber wir sollten sie teilen. Hoffnung verbreiten, Glück verbreiten, und die Menschen in ihrem Glauben an den richtigen Weg bestätigen.

Ja, ich bin ein Sucher, aber ich bin auch Erfolg.

Zweifel ist der Motor, der die Leute durchs Leben treibt. Er ist das Gummiband im kleinen Modellflugzeug ihrer Seele, und sie versuchen dauernd, es aufzuwickeln, bis sich schließlich Knoten darin bilden.

Trotz der vielen Wahrheiten, die Abraham und Co. so eindrücklich vermitteln – warum schaffen sie es nicht, ihren Worten eine aktivierende Kraft beizumischen. Ich habe schon einiges gelesen und gehört. Wieder und wieder. Ich habe verstanden. Ich kann das, was sie sagen, alles sehen. Was fehlt den Worten, die so bedeutungsschwanger sind? Die einen berühren und ergreifen. Wie oft hatte ich den Moment, dass ich sagte: „Ja, ja, genau so ist es! Und dann blieb es dabei. Es passierte nichts weiter in mir. Die Aktivierung blieb aus. Erkenntnis ist nicht einfach nicht gleichzusetzen mit wahrem Fühlen.

Und ganz zwangsläufig stellte ich mir dann die Frage, die sich so viele andere Sucher auch stellen. „Renne ich da irgendeinem Hingespinst hinterher? Gibt es das wirklich, oder bin ich einfach nur in die Irre gleitet? Es klingt doch fast zu schön um wahr zu sein. Werde ich nicht doch irgendwann auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen und mich mit der bitteren Realität konfrontiert sehen? Muss ich mich meinem Schicksal fügen und mir doch eingestehen, dass es immer nur ein Zufall war?

Er versuchte die Erinnerung daran aus seinem Bewußtsein zu vertreiben, aber sie fühlte sich dort sehr wohl, terrorisierte die anderen Gedanken und zertrümmerte die Einrichtung.

Danke lieber Zweifel. Ich weiss um deine Existenz, und dass du nicht wirklich daran interessiert bist, andere zu befallen. Du fühlst dich scheinbar immer noch sehr wohl bei mir.

Und dann wurde mir klar: Ich stellte die falschen Fragen, und es geht nicht darum, die richtigen Anleitungen und Übungen zu suchen. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen, die zu den richtigen Antworten führen, die alles eines gemeinsam haben. Das Fühlen.

Und so begann ich zu fragen, öffentlich, und mit einem Mal wurde mir bewusst – die Antwort darauf, ob es funktioniert, wird dir doch jeden Tag zuteil. Jeden Tag wirst du Zeuge bei der Erfüllung einer meist negativen Erfahrung. Beispiel „Bald müsste eigentlich die Erinnerung der Telekom kommen, die dir damit drohen, deinen Anschluss zu sperren, wenn du nicht bezahlst.“ Und zwei Stunden später trifft diese Nachricht ein.

Es bringt nichts, sich und seine negativen Erfahrungen und Gedanken zu verteufeln. Akzeptiere sie als einen Teil von dir – denn zeigen dir nur an, dass du zu allem fähig bist.

Warum glauben wir, für die positiven Erfahrungen etwas tun zu müssen? Sie aufzuladen, sie zu hegen und zu pflegen ? Die negativen Gedanken und Erfahrungen scheren sich einen Dreck darum, und das tut ihrer Erfüllung dennoch keinerlei Abbruch.

Ich empfand mit einem mal sehr viel Dankbarkeit meinen negativen Erfahrungen gegenüber. „Danke für alle Erfahrungen die ich machen durfte, denn nun weiss ich, dass meine positiven Gedanken sich ebenso erfüllen können und werden wie meine negativen. Genau so schnell, genau so zuverlässig. Sie folgen den gleichen Gesetzmäßigkeiten. Sie sind der absolute Beweis dafür, dass meine Erfahrungen meinen Gedanken folgen. Meine positiven Gedanken zeichnet zudem noch aus, dass sie sich als viel besser, wohltuender und ertragreicher für mein Leben erweisen. Ihre Zahl überwiegt und damit ist klar, dass sich auch mein Leben immer positiver gestaltet. Mit jedem Tag ein Stückchen mehr.

Seinen wir mal ehrlich:

Dieses Leben ist zu kurz, um sich über Schlaglöcher auf der Autobahn des Lebens zu ärgern. Es ist einfacher, sie zu umfahren, statt jedes mal Schaden davon zu tragen, wenn man sie mit voller Wucht erwischt.

In Amerika gibt es sogenannte HOV Lanes (High-occupancy vehicle lanes – übersetzt Fahrbahn für stark belegte Fahrzeuge, kurz HOV lane, auch carpool lane, also Fahrgemeinschaftsspur. Quelle Wikipedia). Während sich der Verkehr auf den anderen Spuren der Highways staut und knubbelt, ist diese Spur in aller Regel weniger befahren, so dass man dort deutlich zügiger vorankommt. Zudem ist auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf diesen Spuren häufig höher als auf den übrigen. Einzige Vorraussetzung – man belädt seinen Monstertruck mit 2 oder mehr Personen.

Also wechsle ich nun auf die HOV Lane der Autobahn meines Lebens, schnappe mir mein inneres Selbst, platziere es auf dem Beifahrersitz und drücke ihm eine Strassenkarte in die Hand. Die Zielorte sind eingezeichnet. Es ist mir egal, wie wir dort hinkommen. Sag mir einfach den besten und schnellsten Weg! Auf geht’s – und aus dem Radio schallt es laut: Take me down to the Paradies City* Achtung Ohrwurmgefahr – bei mir seit ein paar Stunden, gepaart mit einer Dosis Melancholie in Gedanken an die alten Zeiten.

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Ein Kommentar:

  1. Liebe Tina,

    wieder mal ein Beitrag mit echtem Nährwert! Da muss ich jetzt in mehreren Punkten stark über mich nachdenken.

    Ich weiß ja, dass das GdA funktioniert, und mir das jeden Tag gezeigt wird. Auch und vor allem, wenn ich eben in die falsche Richtung gedacht und mich klein gemacht habe. Eigentlich sollte es somit wirklich leicht sein, auf positiv und Erfolg umzudenken.
    Und die Sucher – ich bekenne mich dazu, noch zu suchen. Habe ich vielleicht Angst anzukommen und strolche somit noch ein wenig länger durch die Gänge? Es heißt ja, man wäre der Durchschnitt der 5 Personen, mit denen man sich umgibt. Okay, ich bin ein Sucher. Will ich ankommen und wähle erfolgreiche Angekommene, wird mich das zweifelsfrei motivieren und mitziehen. Manchmal aber auch auf meine noch nicht beantworteten Fragen zurückwerfen und den Unterschied zwischen ihnen und mir deutlicher hervortreten lassen.

    Am besten wäre wohl so eine Mischung aus beiden. Sucher und Angekommene. Von Stehenbleibern versuche ich mich aber fernzuhalten, denn das zieht merklich nach hinten.

    Und apropos alte Songs: Ich höre gerade fast in Dauerschleife Black (Wonderful Life) und erinnere mich an die alten Zeiten und wie ich so drauf war. Und merke, dass die Texte gut zu mir passen. Wird schon seinen Grund haben, wenn einem plötzlich alte Lieder wieder einfallen! Ich sage nur: Botschaften!

    Denkende Grüße

    Sybille

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