Jobdesaster – Der Wunsch nach Freiheit

Vor 2,5 Jahren wähnte ich mich am Rande der Wunscherfüllung. Endlich raus aus dem Arbeitsleben und nur noch das tun, was ich wollte. Zu der Zeit war es erfolgreich, zu bloggen und zu schreiben. Ich war motiviert und bereit, mein neues Leben in Angriff zu nehmen.

Vierzehn Jahre fühlte ich mich klein und unbedeutend

Bis dahin hatte ich einen Job, der mich nie glücklich gemacht hatte, in dem ich mich immer klein fühlte. Nicht anerkannt, ganz egal was ich glaubte, zu leisten und zu bewegen. Es war gefühlt nie genug, um einmal Wertschätzung zu erfahren. Als ich dort anfing, war ich gerade mal 21 und hatte meine Ausbildung in einem Betrieb gemacht, wo ich sehr viel und großen Respekt, fast schon Angst, vor meinem Arbeitgeber hatte.  Und mit dieser inneren Unsicherheit trat ich dann die neue Stelle damals an. Meine Kollegen schienen mich nicht zu mögen und gaben mir das Gefühl, klein und unbedeutend zu sein. Und genauso fühlte ich mich. Ich war niemand, der es vermochte, etwas zu leisten.

Heute weiß ich, dass dem nicht so war. Ich leistete sogar ganze Menge, aber damals bleib die Erfüllung aus und es mangelte mir an Wertschätzung für meine eigene Arbeit. Kurzum, ich hatte ein wirklich mieses Bild von mir selbst und hätte gar keine anderen Erfahrungen machen können.

Vierzehn Jahre lang hatte ich Angst davor zu gehen

Vierzehn Jahre lang hangelte ich mich von Tag zu Tag, hatte immer Angst vor dem ersten Arbeitstag nach jedem Urlaub und rechnete mit dem Schlimmsten. Aber noch schlimmer war der Gedanke daran, mir eine neue Stelle zu suchen und zu kündigen. Dieser Gedanke war lähmend. Ich fühlte mich dem nicht gewachsen, und ich wusste auch gar nicht, wohin ich mich bewerben sollte, so unqualifiziert, wie ich mich selbst inzwischen empfand. Auch die Vorstellung, rausgeschmissen zu werden, weil ich nicht gut gearbeitet hatte, war keine gute Lösung für mich.

Gedanklich blieb mir nur noch der unterste Weg, eine Vorstellung, die nicht von negativen Gefühlen begleitet wurde. Wenn meine Firma insolvent gehen würde, dann müssten sie mir kündigen. Das wäre eine friedvolle Trennung, und ich könnte einfach raus, obwohl sich dabei auch die Frage nachdem „Wohin dann?“ gestellt hätte. Aber in dem Fall wäre ich bereit gewesen, zu gehen, und das Gefühl von Angst blieb aus. Aus diesen Gedanken, die ich immer wieder dachte, wurde ein Wunsch, den ich immer wieder widerholte.

Bin ich in der Lage, eine komplette Firma gedanklich aufzulösen?

NEIN. Bei einem Unternehmen, das wirtschaftlich gut da steht, das schwarze Zahlen schreibt und in dem die anderen Mitarbeiter an das Fortbestehen glauben, nicht. Mich erreichte der Gedanke an den untersten Weg als Ausweg, da es dem Unternehmen zeitweilen sehr schlecht ging, und Angst vor dem Aus der Firma war permanent vorhanden. Co-Creation – Die Angst vor dem, was passieren könnte, hat genau so schöpferisches Potenzial wie die Hoffnung auf einen solchen Ausgang. Meine damalige Chefin hatte immer Angst, und je mehr die Sache ins Rollen geriet, desto größer wurde ihre Angst, alles zu verlieren. Kurzum, wir haben alle miteinander erschaffen. Sie ihren persönlichen Alptraum, ich meine Wunscherfüllung. Das Unternehmen ist insolvent gegangen, und ich hatte den Zustand, den ich mir gewünscht hatte. Ich konnte in Frieden gehen.

Des einen Freud ist des anderen Leid?

Im ersten Moment klingt es so, als hätte ich mein Wohlbefinden auf dem Rücken und dem Leid eines anderen ausgetragen, dennoch geht es in erster Linie im Leben darum, dass ich mich gut fühle. Ich habe aber nur die Schwingung, die sowieso vorherrschte, aufgeschnappt und sie mir zu eigen gemacht. Weder habe ich anders gearbeitet, noch der Firma finanziellen Schaden zugefügt. Im Gegenteil, zum Ende hin, als mein Selbstbewusstsein und meine innere Entspannung größer wurden, habe ich wirklich sehr gute Arbeit geleistet,was der Firma noch zugutekam.

Selbst wenn ich dazu übergegangen wäre, meine Wünsche dorthingehend zu ändern, dass die Firma weiterbestanden hätte – der Niedergang wäre nicht aufzuhalten gewesen. Alle anderen, insbesondere meine Chefin, war mit Leib und Seele dabei, ihre schlimmsten Alpträume Realität werden zu lassen. Sie glaubte fest an den Untergang und den Verlust in fast allen Bereichen ihres Lebens, und erlebte dies jeden Tag aufs Neue.

Hätte ich sie aufhalten können? Ihr von positivem Denken und Hoffnung, von der Macht ihrer Gedanken, erzählen können? NEIN, sie hätte mir in der Situation gar nicht zuhören können, und schon gar nicht wollen.Wer will schon gerne hören, dass er den Ast, auf dem er sitzt, gerade selbst absägt und niemand sonst dabei im Spiel ist. Sie wollte an Ungerechtigkeit glauben. An unverschuldetes Leid und Verlust.

Und so ging ich im April 2014 frohen Herzens zum Arbeitsamt, freute mich auf mein neues Leben, war inspiriert und voller Tatendrang, wollte schreiben, schreiben und nochmals schreiben und hatte dann von einem auf den anderen Tag eine Schreibblockade, die mich über zwei Jahre kein einziges Wort zu Papier bringen ließ. Ich verfiel in Lethargie und rutschte, gerade in emotionaler Hinsicht und in Beziehungen, in Löcher, von deren Tiefe ich bis dato keine Vorstellung hatte. 

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