Das ist so ein Frauending… – wenn die Hormone ihre eigene Realität entwickeln

Ich habe lange überlegt, ob ich das Thema überhaupt ansprechen sollte. Es ist ein Thema, bei dem der Eine oder Andere vielleicht peinlich berührt ist, und auch bei mir ist es nicht selbstverständlich, dass ich locker darüber rede, obwohl es nüchtern betrachtet gar keinen Grund dafür geben dürfte.

Ich lese zwischendurch immer wieder, dass Frauen davon sprechen, dass sie von einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit überwältigt werden und sehr traurig sind. Die mut,- und kraftlos sind. Und das ohne Grund. Und dann denke ich mir immer, vielleicht geht es ihnen so wie mir. Vielleicht ist es heute keine Sache der Einstellung und Erwartung. Vielleicht ist es einfach nur eine Frage der Hormone. Aber ich kann solche Fragen auch nicht öffentlich stellen.

Nachdem ich aber gestern wieder die Situation hatte, dachte ich mir, es ist mal an der Zeit, eine Lanze zu brechen. Ich habe Hormone. Ich habe PMS.
(Die männlichen Leser, die trotz der Überschrift begonnen hatten zu lesen, wissen jetzt, dass es wohl um so ein wirkliches Frauending geht, und ich verstehe, dasssie jetzt lieber nicht weiter lesen möchten)

Hat es was mit dem Gesetz der Anziehung zu tun? In Gewisser Weise schon. Es geht darum sich gut zu fühlen

Ja, ich habe Hormone. Hat jede Frau. Nur habe ich sie an einem Tag im Monat halt stärker. Im Volksmund wird es auch gerne mit „Was ist denn mit dir los. Hast du deine Tage“ abgetan.

Ja ich weiß: man redet nicht öffentlich darüber. Frauen untereinander vielleicht. Männer wenn, dann nicht über die Ursachen, sondern eher über die Auswirkungen und Launen.

Es sein den, sie heißen Michael und kommen trotz eines festen Glaubens an LOA in dem Fall mit medizinisch fundiertem Wissen daher.

Ich hatte diese Symptome, noch ehe ich die Bezeichnung dafür kannte. Noch ehe ich überhaupt wusste, dass ich eine körperliche Reaktion durchmachte, und nicht einfach nur miese Laune hatte. Michael war es, der mir damals erklärte, was da mit mir passiert; der meinen Stimmungstiefs einen Namen gab und mir sagte, dass es gar nicht schlimm sei. Fast schon natürlich. Und welchen Kraftakt mein Körper Monat für Monat durchlebt. Und dass dabei diese Hormone ausgeschüttet werden, auf die jeder anders reagiert. Ich glaube sogar, dass er das ganze nüchtern betrachtet sogar als einen sehr aggressiven körperlichen Prozess bezeichnete. Kein Wunder, dass man da mal schlechte Laune hat.

Neben dem Verlangen nach mit Schokolade überzogenen Kartoffelchips, habe ich das Gefühl der traurigste Mensch auf der ganzen Welt zu sein. Mutlos, depressiv, desillusioniert und vollkommen überfordert. Meistens dann, wenn ich zur Ruhe komme.

Mich überkommt diese tiefe, bleierne, lähmendeTraurigkeit. Mal ist es schwächer, mal intensiver. Ich habe ein ziemlich dünnes Nervenkostüm und kann grundlos bitterlich weinen. Auch wenn es ein Tag wie jeder andere ist. Ohne besondere Vorkommnisse. Es ist mir nicht möglich, dagegen anzuarbeiten und positive Gefühle zu entwickeln und den Fokus zu ändern. Wie gesagt, ich bin an dem Tag gefühlsmäßig wirklich der traurigste Mensch auf der ganzen Welt. Es geschieht ohne Vorwarnung. Dieses Gefühl ist einfach da. Und dann am nächsten Tag ist alles wieder gut.

Ich habe diese körperliche Reaktion für mich akzeptiert. Ich versuche, wenn ich die Zusammenhänge erkennen kann, mich zumindest nicht ganz der Traurigkeit hin zu geben und zumindest ein Gefühl von Neutralität zu entwickeln. Und wenn ich dann halt weinen muss, dann weine ich. Alles geht wieder vorbei. Spätestens dann, wenn ich die Augen schliesse und schlafe.

Alles eine Frage dessen, was ich erwarte? Wie schon gesagt, hätte ich nicht die Symptome, dann wüsste ich nicht einmal, dass es diese Hormone/körperliche Reaktion überhaupt gibt.

Gut, man könnte ja sagen, dass ich die Tage zähle, und dann kurz vorher die Erwartung habe, dass ich jetzt mal Hormone bekommen müßte. Nun, da ich jedes Mal überrascht feststelle, dass die 28 Tage schon wieder um sind, und ich eigentlich der festen Überzeugung war, dass es noch Wochen hin sein müßten, kann man wirklich nicht davon sprechen, dass ich es erwarte.

Meistens kann ich dieses Gefühlstief sowieso nicht direkt mit meinen Hormonen in Verbindung bringen. Erst einen oder zwei Tage später kann ich dann meine Rückschlüsse ziehen, dass es mal wieder soweit war.

Es ist nicht für jeden nachvollziehbar, was man dabei empfindet, und auch nicht, dass es etwas gibt, das in der Lage ist, positive Gefühle und Gedanken schlichtweg zu blockieren.

Ich akzeptiere meine Hormone, und eigentlich bin ich sogar erleichtert, dass mein Kraftwerk noch rund läuft. Wenn es nicht mehr arbeiten würde, diese Hormone ausblieben, was hätte es dann für Folgen? Wenn dieser aggressive Prozess nicht mehr seinen „natürlichen“ Gang geht, und sich diese Aggression dann an anderer Stelle entlädt, wo sie aber nicht statt finden sollte. Dann lieber einen Tag lang nur neutral sein. Das reicht schon.

Ich habe für mich akzeptiert, dass ich so bin, wie ich bin. Dass mein Körper manchmal sein eigenes Ding macht, ohne mich vorher zu fragen, ob ich damit einverstanden bin. Ich habe für mich akzeptiert, dass da Reaktionen sind, und damit ist es auch ok.

Der nächste Tag ist wieder ein schöner Tag, und die Traurigkeit ist wieder verflogen.

Ich zwinge mich nicht zu positiven Gefühlen. Das macht alles noch schlimmer. Ich spare mir die postiven Gefühle besser für den nächsten Tag auf. Da sind sie wirkungsvoller. Und nochmal: wenn es ganz schlimm ist, dann weine ich halt 10 Minuten vor mich hin und bemitleide mich und mein Leben, auch wenn ich mich die ganze Zeit frage, aus welchem Grund ich es tue. Immerhin hatte ich das Verlangen nicht am Tag davor und werde es am nächsten Tag auch nicht mehr verspüren.

Für alles gibt es immer einen Weg, und das mit dem von-Schokolade-überzogenen-Chips-Problem löse ich ganz einfach, indem ich erst Schokolade im Mund zergehen lasse und dann Chips esse. Großartiges Geschmackskino! Nicht nur, wenns einen hormonell gerade etwas aus der Bahn haut.

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