Der Nager im Getriebe meiner Gedankenmaschine

Nachdem ich nun die Kleinigkeit über die wahre Existenz des Universums geklärt habe und mich sehr nüchtern fühle, komme ich nun wieder zu der Ursprungsproblematik. Moi! Schuldig im Sinne der Anklage, um es salopp auszudrücken. Die Suche nach Zeugen, die meine Unschuld an meinem Leben, so wie es ist, beweisen, lief ins Leere. Niemand und nichts, nicht einmal das Universum, wollte sich zu einer Falschaussage bewegen lassen. Dabei wäre ich bereit gewesen, einen hohen Preis zu bezahlen. Mit meinem Schicksal! Was, wie ich finde, ein mehr als fairer Deal gewesen wäre. Bei diversen religiösen Institutionen steht das persönliche Schicksal eines Menschen hoch im Kurs. Aber die habe ich nun mal nicht in Betracht gezogen.

Die Sache mit den schlechten Tagen und Gefühlen hat meine liebe Bloggerkollegin Sybille Johann in ihrem Beitrag „„Der zwanghafte Wunsch nach guten Gefühlen“ sehr eindrücklich beschrieben. Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Ja, schlechte Tage sind mir bekannt, und ich versuche auch sie zu lieben.

Ich bemühe mich. Obwohl, als meine Freundin mir kürzlich von ihren Winterdepressionen erzählte, hatte ich den Wunsch: „Oh die Ausrede will ich auch! Dann muss ich mir die nächsten Tage und Wochen keine Gedanken mehr machen und kann sagen, dass, sobald die Tage länger werden und die Sonne wieder scheint, alles gut wird – Und danach schiebe ich es auf die Frühjahrsmüdigkeit!“

Manchmal, so gebe ich zu, beneide ich die Menschen, die noch nie etwas vom GDA oder sonstigen Erkenntnissen gehört haben. Ich meine hier beneiden im positiven Sinne, falls es das gibt.

Sie leben einfach in den Tag. Sie hinterfragen nicht wirklich. Sie machen sich keinen Kopf darum, ob sie richtig denken oder fühlen, warum sie sich etwas erschaffen haben oder wie sie sich etwas erschaffen können. Diese Frage stellen sie sich nicht. Sie leben einfach. Und das nicht zwangsläufig immer schlecht. Es gibt Menschen, die Erfolg haben – die noch nie etwas vom GDA gehört haben – es aber mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit anwenden, dass es mir die Tränen in die Augen treibt. Sie machen einfach, ohne nach dem Wie und Warum zu fragen. Und sie sind gut darin, wie sie es tun.

Und diejenigen, bei denen es nicht rund läuft, die gehen auch nicht in sich und hinterfragen sich selbst und verzweifeln an ihren Gedanken, sie geben einfach einem Anderen die Schuld und damit hat es sich.

Und ich? Ich kann nicht mehr zurück, will ich auch gar nicht, da es mich dann vollkommen aus der Bahn werfen würde. Ein klein Wenig mehr Leichtigkeit und Gelassenheit, das ist etwas, das ich noch für mich erfahren möchte. Ich weiß, dass das angestrengte Nachdenken und das Suchen nach guten Gefühlen nichts zur Produktivität meines Seins beiträgt. Es ist nur hinderlich.

Allerdings frage ich mich manchmal, wo ICH wohl heute wäre, wenn ich nichts davon gehört hätte, bzw. den Weg nicht gegangen wäre? Macht mich schon neugierig, ob es mir „besser“ oder „schlechter“ ginge? Was ich wohl gerade machen würde? Ich würde sehr gerne mal einen Blick in diese Realität werfen.

 

Der Nager im Getriebe meiner Gedankenmaschine

Ich bin jetzt nun mal hier und versuche in Fahrt zu kommen. Ich habe meinen Automatikhebel gerade mal von P, für Parken, auf N, für Neutral, umgestellt. Immerhin kann ich jetzt schon mal rollen. Ob vorwärts oder rückwärts, das bleibt noch offen. Geplant ist vorwärts, wenn der Weg, den ich gerade gewählt habe, es zulässt. Wenn ich versuche, noch eine Stufe weiter zu schalten auf D, für automatisch vorwärts, dann klemmt eindeutig das Getriebe. Es bedarf einer ganz dringenden Reparatur. So wie es aussieht, hat sich wohl der eine oder andere kleine Nager eingeschlichen und einige wichtige Leitungen angefressen.

Identifiziert habe ich eines der Tierchen bereits. Diese Spezies Nager trägt den allgemeingültigen Namen „Schatzi“. Ja, und ich weiß um seine Störfunktion. Was also tun? Elektroschocks sollen helfen, habe ich gelesen, aber ob das die Lösung ist?

Sie riß den Knüppel aus dem mentalen Getriebe, zertrümmerte alle Zahnräder und nahm sich anschließend die Kupplung vor.

Nüchtern betrachtet müsste ich ihn entfernen, emotional betrachtet weiss ich derzeit gar nichts. Lerntechnisch ist er DER Spiegel!

Ja, es stimmt. Ich sollte mich weitgehend aus der Situation heraus ziehen, um erst einmal wieder klare Gedanken zu fassen, um mich dann auf mich und meine Erwartungen zu konzentrieren, bis ich sie verinnerlicht habe. Ich muss mich reparieren. Ganz dringend. Sonst wird das nichts mit dem Leben in Freiheit und Glück.

Das alles weiß ich. Und ich weiß auch, dass ich der Meister der Illusionen mir selbst gegenüber bin. Ich habe kein Problem damit, alleine zu sein. Ich bin gerne alleine und komme ganz schnell an den Punkt, wo ich für mich feststelle, dass alleine alles viel besser ist und ich den Wunsch nach einem Partner nicht mehr hege. Und da liegt der Knackpunkt. Ich beschäftige mich ganz schnell nicht mehr mit meinen Erwartungen und Erfahrungen, die ich bisher machen durfte. Ich nutze sie nicht, um zu analysieren und mal genau zu schauen, was das Verhalten und die Reaktionen meines Partners im Umkehrschluss über mich aussagen. Über das, was ich von mir denke, wie ich denke und wie ich insgeheim erwarte, behandelt zu werden. Kurzum gesagt: Im Verdrängen und Ausblenden bin ich richtig gut. Und das ist meist von Erfolg begleitet, da es bei mir auf vielen Ebenen sehr rund läuft und ich sehr positiv eingestellt bin.

Natürlich kann auch sagen: Ich mache Schluss und damit einen Haken dran und lebe glücklich und erfolgreich alleine weiter. Das wäre das klassische Weglaufen, und wir wissen alle, dass weglaufen zwecklos ist. Selbst wenn ich mich nur noch selten vor die Tür begeben würde, ich kann meinen Aufgaben, in Form von alten Erwartungen und Glaubenssätzen an eine Beziehung, nicht entkommen. Sie manifestieren sich immer wieder, und wenn es sein muss, an der Kasse vom Supermarkt.

Die verblüfften Gedanken kehrten aus der dunklen Ecke zurück, in die sie geflohen waren.

Was mich zu dem Schluss kommen lässt: Ich muss mich dieser Lernaufgabe aktiv stellen, und in IHM habe ich wirklich meinen Meister gefunden.

Wenn ich ehrlich bin: Eigentlich glaube ich daran, dass er nur aus diesem Grund, für diesen Lernprozess, in mein Leben getreten ist, und danach wieder verschwindet. Ganz zwangsläufig, weil wir uns voneinander entfernen werden, und seine Energie sich in meinem Leben nicht halten kann. Es sei denn, meine Veränderung sorgt für eine positive Veränderung oder Angleichung seinerseits. Möglicherweise ist er offen dafür, möglicherweise hat er mich aus dem Grund in sein Leben gezogen. Möglicherweise… möglicherweise…. möglicherweise…. Das weiss so oder so nur er – möglicherweise.

Manch einer mag jetzt denken: Du kannst ihn gar nicht lieben, wenn du so schreibst!“

Die Frage ist doch: Muss ich das? Und weiter gefragt: Wenn ich mich selbst nicht liebe, wie soll ich dann das Gefühl für einen anderen empfinden?

In erster Linie möchte ich mich lieben. Mit allem, was dazu gehört. Volles Selbstempfinden, ohne zu verdrängen und auszublenden. Herausfinden, was genau ich an mir als nicht liebenswert erachte, und was genau meine Wahrnehmung ist, die mich manchmal taub und blind macht. Ich sehe erst einmal keinen anderen Grund, ihn in mein Leben geholt zu haben. Es geht nur darum, das volle Gefühl zu mir selber zu finden, und nicht darum, dass er mich liebt oder ich ihn.

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2 Kommentare:

  1. Liebe Tina, da gibt es wieder so viele Punkte, bei denen ich denke „wie bei mir“ oder „hab ich mich auch schon gefragt“.
    Manchmal würde ich auch gerne umschalten auf die anderen Realitäten und schauen, wie ich es da geregelt hab – und warum zum Teufel muss ich mich auf die Ebene konzentrieren, die mich nicht immer dahin bringt, wohin ich will?
    Ich wünsch mir außerdem so einen Unsichtbarkeitsmantel. Ich bin nämlich auch gern mit mir allein und denke manchmal, ich würd vielleicht dahin kommen, wo es die anderen Realitäten schon geschafft haben.
    Ach, immer diese blöden Grübeleien. Ich hol meinen Karton hervor und setz mich da wieder rein. Schiebt mir Essen durch den Schlitz.
    LG
    Sybille

    • Liebe Sybille,

      Ja wir sind schon zwei hoffnungsvolle! Typen.

      Ja, das alleine sein. Das macht mir einfach nichts aus – ich genüge mir wirklich und komme dann auch voran. Und dann kommt meist ein unliebsamer Zwischenfall daher, und bringt mich aus dem Gleichgewicht.
      Vielleicht hält unser Weg am Ende etwas großartiges bereit _ hoffe ich zumindest. Aber ihn derzeit bewusst zu gehen, ist echt anstrengend.

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