Das Gesetz der Anziehung – nur ein Placebo ohne Wirkstoff

Ich wollte also noch ein Buch schreiben. Noch ein Buch über das Gesetz der Anziehung? Noch ein Buch mit Tipps und Tricks, das alles noch einmal durchkaut, nur in anderen Worten? Noch ein Buch, von dem der Leser sich verspricht, endlich den Stairway to Heaven zu finden und zu erklimmen? Noch ein Buch, das behauptet: „Alles ist so super einfach, dieses Leben ist so wunderbar!“. Dass alles rosarot sein kann, und wir, wie die Generation Woodstock von Glückseligkeit benebelt, durch die Welt hüpfen KÖNNTEN. Benebelt von einer bewusstseinsverändernden Droge? Einer Droge, die sich das Gesetz der Anziehung nennt.

Einmal mit dem Wissen um das Gesetz der Anziehung infiziert, gibt es keinen Weg mehr zurück. Wir sind drauf, bleiben drauf hängen. Wir können nicht mehr zurück in unser altes Denken, unser altes Mitläufer Leben. Das Wissen hat sich eingebrannt, und so sind wir immer wieder auf der Suche nach neuen Dealern, mit noch besserem Stoff, die uns endlich aufklären über die richtige Einnahme dieser Droge, um endlich auch auf rosa Wolken wandeln zu können.

Die meisten haben doch noch keine Erleuchtung erfahren. Die suchen doch alle noch

Der Gebrauch, die richtige Anwendung, bleibt für viele unter uns allerdings ein Rätsel. Statt in Glückseligkeit zu schwelgen, beginnen wir, uns für das, was uns widerfährt – für unser Denken, unser Handeln und Tun – gedanklich zu zerfleischen. Uns innerlich aufzutreiben, weil wir scheinbar zu dumm sind, es endlich mal richtig zu machen, es dauerhaft richtig zu machen bzw dauerhaft richtig zu denken und zu fühlen.

Das Leben mit dem Gesetz der Anziehung ist auf den zweiten Blick nicht so einfach wie versprochen. Im Gegenteil. Es weckt den Wunsch, einfach mal laut „Scheiße. Es funktioniert einfach nicht“ zu schreien. Um dann im nächsten Moment erschrocken ob dieses Ausbruchs zusammenzuzucken und sich mit quälenden Gedanken konfrontiert zu sehen. „Oh Gott, was habe ich getan? Wenn ich solche Gedanken denke, geht alles wieder kaputt. Noch schlimmer, ich ziehe noch mehr davon an. Hilfe!“

Komm probier mal meinen Stoff

Also probieren wir es weiter. Lesen das nächste Buch. Hören Sie die nächste Erfolgsgeschichte, und rufen Sie innerlich laut auf “Ja, Ja, genau das ist es! Genau das habe ich gesucht! Das könnte ich sein! Endlich habe ich den richtigen Stoff gefunden, mit dem ich mich in identifizieren kann.“ Wir wägen uns siegessicher. An die Hand genommen und verstanden und glauben mit Inbrunst daran, dasselbe der Erfolg sich endlich einstellt. Uns wird versprochen „Ich bzw wir sind da, um den Weg gemeinsam mit dir zu gehen. Und wir sagen dir, was du zu tun hast.“ Wir sind benebelt und motiviert. Im Vollrausch.

Und im entscheidenden Moment sind wir doch ganz alleine. In den Momenten, in denen wir uns zum x-ten mal fragen „Warum? Was ist jetzt schon wieder schief gelaufen?“ Obwohl wir kräftig vor uns hin affirmiert haben,  uns sogar während wir auf der Toilette saßen gut fühlten. Wir meditierten, warteten darauf, dass es irgendwo kribbelte, in der Hoffnung, dass nicht einfach nur der Fuß eingeschlafen war und es sich so um eine zwangsläufige Reaktion des Körpers handelte. Wir kauften schöne Notizbücher, die wir in Schönschrift mit dem füllten, was wir uns wünschten und erträumten.

Mit der Denkarbeit die einer negativen Erfahrung folgt, sind wir auf uns alleine gestellt. Unsere Dealer fahren – obwohl einige es bestimmt könnten – nicht in unseren Körper und gehen Schritt für Schritt alles mit uns durch und erklären uns mal, was genau los war. Es ist wie Abraham einmal sagten „Wir sind unnachgiebig. Fühl dich einfach gut!“ Und damit ist alles gesagt.  (Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht die Amerikanische Staatsbürgerschaft habe, und daher nicht das Privileg habe, von etwas Höherem befallen zu werden. BÖSE!)

Für Denkarbeit und Analyse haben wir schließlich unser Inneres Selbst. „Du hast eine innere Führung, die dich leitet. Sie kann dir die Antworten geben.“ Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber mein inneres Wesen fühlt sich sehr oft so gar nicht angesprochen und stellt auf Durchzug. Meinst du mich? Ich bin gar nicht da!“

Mir fehlen häufig die Erklärungen. Mir fehlen die Erklärungen dafür, was in meinem Leben geschieht und warum, weil es nicht zu dem passt, was ich meinte zu denken und zu fühlen.

Natürlich kann ich hingehen und mir Gedanken über meine Grundannahmen und dergleichen machen. Mein Denken der letzten Tage zu rekonstruieren und so eine Lösung zu finden. Und wenn sie dort nicht zu finden ist, dann weiss ich ja, dass es da noch tief vergrabene alte Glaubenssätze gibt, die ganz tief in mir drin wirken. Muss ich wirklich davon ausgehen, dass ich, wenn ich 30 Jahre lang einen Glaubenssatz konditioniert habe, auch wieder 30 Jahre brauche um ihn zu ändern? Scheinbar reichen ein paar Jahre nicht dafür.

Und dann wenden wir uns an unseren Dealer. Aber etwas anderes hat der auch nicht mehr zu geben. Es sollte ja auch eigentlich funktionieren, so wie es gesagt wurde. (Aber hey, für die kleine Summe von $3000  kann ich ja an einem Lehrgang teilnehmen. Ohne Geld-Zurück-Garantie, versteht sich von selbst – es muss ja klappen. Die Chance liegt bei 1:1000000, dass dem nicht so ist. Also mache ich, um endlich erfolgreich und wohlmöglich schuldenfrei zu werden, noch mehr Schulden,- um am Ende mit noch mehr Schulden dazustehen. Diese Wahrscheinlichkeit liegt bei 1:10. Verrückte Welt. BÖSE, BÖSE, BÖSE!)

Jetzt wird der kluge und erleuchtete GDAler sagen „Lies doch mal, was du da schreibst. Kein Wunder dass du noch nicht weiter bist!“ Und darauf kann ich nur sagen „Ich bin nicht erst seit heute dabei. Ich habe nicht immer so gedacht. Ich habe mir meine Welt rosa angestrichen, aber irgendwann – und das gilt zumindest für mich – macht sich Frust breit, und dann muss ich meinem Unmut einfach Luft lassen. Und Zynismuss und auflodernde Wut fühlt sich wirklich besser an, als Angst und Panik, Trauer und Frust, über das was ist.“

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